Hans Hartz – Die weißen Tauben sind müde (1982)

Komm her Marie, ein letztes Glas
Genießen wir den Augenblick
Ab morgen gibt′s statt Wein nur Wasser

Komm her und schenk uns noch mal ein
So viel wird morgen anders sein
Marie, die Welt wird langsam blasser

Die weißen Tauben sind müde
Sie fliegen lange schon nicht mehr
Sie haben viel zu schwere Flügel
Und ihre Schnäbel sind längst leer

Jedoch die Falken fliegen weiter
Sie sind so stark wie nie vorher
Und ihre Flügel werden breiter
Und täglich kommen immer mehr
Nur weiße Tauben fliegen nicht mehr

Bleib noch Marie, der letzte Rest
Rest reicht für uns beide allemal
Ab morgen gibt’s statt Brot nur Steine

Komm her und schenk uns noch mal ein
Denn so wie heut′ wird’s nie mehr sein
Marie, die Welt reißt von der Leine

Die weißen Tauben sind müde
Sie fliegen lang schon nicht mehr
Sie haben viel zu schwere Flügel
Und ihre Schnäbel sind längst leer

Jedoch die Falken fliegen weiter
Sie sind so stark wie nie vorher
Und ihre Flügel werden breiter
Und täglich kommen immer mehr
Nur weiße Tauben fliegen nicht mehr

Sieh dort Marie, das leere Bett
Der Spiegel unsrer großen Zeit
Ab morgen gibt’s statt Glas nur Scherben

Komm her und schenk uns noch mal ein
Den letzten Schluck vom letzten Wein
Marie, die Welt beginnt zu sterben

Die weißen Tauben sind müde
Sie fliegen lang schon nicht mehr
Sie haben viel zu schwere Flügel
Und ihre Schnäbel sind längst leer

Jedoch die Falken fliegen weiter
Sie sind so stark wie nie vorher
Und ihre Flügel werden breiter
Und täglich kommen immer mehr
Nur weiße Tauben fliegen nicht mehr

Die weißen Tauben sind müde
Sie fliegen lang schon nicht mehr
Sie haben viel zu schwere Flügel
Und ihre Schnäbel sind längst leer
Die weißen Tauben fliegen nicht mehr
Die weißen Tauben fliegen nicht meh

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Die weißen Tauben sind müde ist ein Friedenslied des deutschen Schlagersängers Hans Hartz aus dem Jahr 1982 und zugleich sein erster Hit, der sich in den deutschen Singlecharts platzieren konnte. Geschrieben wurde das Lied von Christoph Busse.

In den drei Strophen mit jeweils sechs Versen spricht das lyrische Ich seine Partnerin „Marie“ an. Es motiviert sie, mit ihm den Augenblick zu genießen, weil es ab „morgen“ „statt Wein nur Wasser“, „statt Brot nur Steine“ und „statt Glas nur Scherben“ geben werde. Es fordert sie auf, „den letzten Schluck vom letzten Wein“ einzuschenken, denn „die Welt beginnt zu sterben“.

Der jeder Strophe folgende Refrain nutzt das Symbol der Friedenstauben, der weißen Tauben, um die Situation bildlich darzustellen. Sie seien zu müde zu fliegen:

Die weißen Tauben sind müde
Sie fliegen lange schon nicht mehr
Sie haben viel zu schwere Flügel;
Und ihre Schnäbel sind längst leer

Ob die Metapher der leeren Schnäbel für den verlorenen Olivenzweig oder für fehlende Nahrung steht, bleibt offen.

Kontrastiert werden die Tauben mit den Falken, die in dem Lied als Symbol für Kriegsbefürworter stehen, die immer zahlreicher und stärker werden:

Jedoch die Falken fliegen weiter
Sie sind so stark wie nie vorher;
Und ihre Flügel werden breiter
Und täglich kommen immer mehr

Der letzte Refrain wird in einer Variation wiederholt und endet mit der doppelten Zeile: „Die weißen Tauben fliegen nicht mehr.“

Der Text verwendet zahlreiche Symbole. Neben den bereits erwähnten Tauben und Falken stehen besonders deren Flügel für abnehmenden („viel zu schwere Flügel“) und zunehmenden („Flügel werden breiter“) Einfluss in Politik und Gesellschaft.

Das Schicksal der Welt wird in jeder Strophe mit zunehmend hoffnungsloser werdenden Metaphern beschrieben: Die Welt „wird langsam blasser“, „reißt von der Leine“ und „beginnt zu sterben“.

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