Vicky Leandros – Theo wir fahr’n nach Lodz


Theo, wir fahr’n nach Lodz Songtext
Theo, wir fahr′n nach Łódź
Theo, wir fahr’n nach Łódź
Steh auf, du faules Murmeltier, bevor ich die Geduld verlier
Theo, wir fahr′n nach Łódź

Theo, wir fahr’n nach Łódź
Theo, wir fahr’n nach Łódź
Ich habe diese Landluft satt, will endlich wieder in die Stadt
Theo, wir fahr′n nach Łódź

Gott verlassenes Dorf, nur Heu und Torf
Stets der gleiche Trott, nur Hü und Hott
Im Stall, die Kuh macht „Muh“, die Hähne kräh′n dazu
Das hält keiner aus, ich will hier raus

Theo, wir fahr’n nach Łódź
Theo, wir fahr′n nach Łódź
Da fassen wir das Glück beim Schopf und hauen alles auf den Kopf
Theo, wir fahr’n nach Łódź

Dies′ verdammte Nest gibt mir den Rest
Ich fühl mich zu jung für Mist und Dung
Ich brauch Musik und Tanz und etwas Eleganz
Gib dir einen Stoß und dann geht’s los

Theo, wir fahr′n nach Łódź
Theo, wir fahr’n nach Łódź
Da feiern wir ein großes Fest, das uns die Welt vergessen lässt
Theo, wir fahr’n nach Łódź

Da kann ich leben, da bin ich frei
Und auch die Liebe ist mit dabei

Theo, wir fahr′n nach Łódź
Theo, wir fahr′n nach Łódź
Komm mit, die Pferde warten schon, steig ein und sei mein Postillion
Theo, wir fahr’n nach Łódź

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Theo, wir fahr’n nach Lodz ist ein von Vicky Leandros gesungener Schlager aus dem Jahr 1974. Er wurde in Deutschland ein Nummer-eins-Hit. Das Lied geht auf Rosa, wir fahr’n nach Lodz von Fritz Löhner-Beda und Artur Marcell Werau aus dem Jahr 1915 zurück. Möglicherweise geht dieses „Marsch-Couplet“ wiederum auf ein jiddisches Lied aus Łódź zurück, doch fehlen Dokumente, die das eindeutig belegen.

Gemäß Hanswilhelm Haefs greift das Lied „Strukturen eines alten kroatischen Landsknechtsliedes aus dem 30jährigen Krieg“ auf.  Andere Quellen sprechen von einem ungarischen Volkslied, das möglicherweise aus dieser Zeit stamme.

Es wird in verschiedenen Veröffentlichungen berichtet, dass ein jiddisches Lied mit der Titelzeile „Itzek (Yitzchak), komm mit nach Lodz“ in diversen Variationen schon vor dem Ersten Weltkrieg oder auch bereits im 19. Jahrhundert von jüdischen Bewohnern der polnischen Stadt Łódź und ihrer Umgebung gesungen worden sei.  Es habe sich um eine spöttische Referenz auf die damals zur Industriemetropole aufsteigende Stadt gehandelt, die der polnische Schriftsteller Władysław Reymont 1896 in seinem Roman Das gelobte Land als ein Monstrum des Kapitalismus dargestellt hatte (vgl. auch Lodzermensch). In diesem Lied sei die arme jüdische Bevölkerung „halb ernsthaft, halb spöttisch“ aufgefordert worden, das Dorf zu verlassen und in die Metropole zu kommen. Auch von einer deutschsprachigen Variation wird berichtet: „Leo, wir geh’n nach Lodz, wir bau’n ein Haus und eine Fabrik“. Sie soll ironisch Aufstiegssehnsüchte und -wünsche der deutschsprachigen Bevölkerung reflektiert haben.

Diese Berichte berufen sich durchweg auf eine Veröffentlichung des Schriftstellers Valentin Polcuch (1911–1989). Polcuch schrieb, die Versionen dieses Schmonzes-Liedchens seien sehr zahlreich gewesen, hätten aber alle das Thema der eitlen Hoffnung der Zuzügler auf Erfolg und des Spotts über die Anwerber der Webereien in der Großstadt variiert. Noch Ende der 1950er Jahre habe es einen Zeugen gegeben, der als „Kapellmeister und Hausphotograph“ mit den Lodzer Großunternehmern Julius Heinzel, Julius Kunitzer und Oskar Kohn verbunden gewesen war. Dieser habe „aus seiner Lodzer Erinnerung die vielen Ursprünge des Liedes aufzeigen“ können.

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