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Joachim Richard Carl Witt (* 22. Februar 1949 in Hamburg) ist ein deutscher Musiker und Schauspieler. Seine bekanntesten Titel sind Goldener Reiter und Tri tra trullala (Herbergsvater) aus der Zeit der Neuen Deutschen Welle. Das Stück Die Flut aus dem Jahr 1998, ein Duett mit dem Hamburger Synthie-Pop-Sänger Peter Heppner, war mit über 900.000 verkauften Einheiten Witts größter kommerzieller Erfolg.
Nachdem Joachim Witt viele Jahre in Coverbands gespielt hatte, entschloss er sich Mitte der 1970er Jahre, sein Leben ganz der Musik zu widmen. Seine Karriere begann er unter dem Pseudonym „Julian“. 1974 erschien bei Metronome die Single Ich bin ein Mann und Ich weiß, ich komm zurück. Allerdings blieb der kommerzielle Erfolg aus und der Plattenvertrag wurde aufgelöst.
Ein Jahr zuvor, 1973, hatte sich Witt einer freien Theatergruppe angeschlossen und beim Stück Gorilla Queen mitgespielt. Anschließend machte er eine Schauspielausbildung beim Hamburgischen Schauspiel-Studio Hildburg Frese und arbeitete danach am Hamburger Thalia-Theater, das er 1977 verließ.
Mitte 1976 gründete er mit zwei Freunden, Harry Gutowski und Wolfgang Schleiter, die Rockband Duesenberg. Ein Jahr später brachte die Band ihr erstes Album Duesenberg 1 unter dem damaligen Nova-Label heraus. Die LP verkaufte sich rund 15.000 Mal und wurde in einigen deutschen Musiksendungen vorgestellt. 1979 wurde das dritte Album Strangers veröffentlicht, für das die Band 1980 mit dem deutschen Musikpreis für die beste Nachwuchsband ausgezeichnet wurde. Im selben Jahr verließ Witt die Band, um eigene Wege zu gehen.
Witt schickte einige Demoaufnahmen eigener Songs an diverse deutsche Musiklabels, die alle abgelehnt wurden. Sein erstes Album Silberblick produzierte er allein, lediglich einige seiner alten Bandkollegen von Duesenberg standen ihm zur Seite. Witt stellte sein Album fertig produziert dem deutschen Label WEA vor, das ihn 1980 unter Vertrag nahm.
Im Dezember desselben Jahres wurde das Album veröffentlicht, im Januar 1981 folgte die Single Kosmetik und im Mai schließlich seine bekannteste Single Goldener Reiter, zu der auch ein Video produziert wurde. Witt konnte mit dem Album zunächst keinen kommerziellen Erfolg erzielen. Im November wurde das Stück Goldener Reiter in der Sendung Musikladen in der ARD vorgestellt und somit einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Eine Woche darauf platzierten sich beide Singles und das Album in den deutschen Charts.
Besonders erfolgreich war die Single Goldener Reiter, die es bis auf Platz 2 schaffte. Insgesamt verkaufte sich das Stück über 250.000 Mal und das Album über 300.000 Mal. Mit der Single Kosmetik und dem Album Silberblick konnte Witt auch internationale Erfolge verzeichnen; so erreichte er beispielsweise den sechsten Platz in den Singlecharts von Österreich. Im selben Jahr erhielt Witt eine Rolle im Fernsehfilm Inflation im Paradies, zu dem er auch die Filmmusik schrieb.
Das Nachfolgealbum Edelweiß mit dem Ex-Can-Schlagzeuger Jaki Liebezeit und der Mania-D-Saxophonistin Eva Gössling orientierte sich stilistisch an der Band Deutsch Amerikanische Freundschaft (DAF) und war ebenfalls ein kommerzieller Erfolg. Kurz nach der Veröffentlichung startete Witt auch seine erste große Tournee, die ihn von Deutschland über Österreich bis ins Baltikum führte. Witt galt zu dieser Zeit als einer der bekanntesten und erfolgreichsten Solokünstler der Neuen Deutschen Welle.
Gegen Ende desselben Jahres wurde die Single Tri tra trullala (Herbergsvater) veröffentlicht, die ein Spottlied gegen Autoritäten darstellen sollte. Obwohl die Single von vielen Radiosendern gespielt wurde, erreichte sie nur Platz 39 der Charts, zudem war dies Witts letzte Chartplatzierung in den 1980er Jahren. Rainer Werner Fassbinder wollte Witt als Darsteller in dem Film Ich bin das Glück dieser Erde einsetzen, jedoch starb Fassbinder kurz vor Drehbeginn.
Nach der großen Tour zog sich Witt Ende 1982 zurück, um an neuen Songs zu arbeiten. Die dritte LP Märchenblau und die gleichnamige Single wurde Anfang 1983 veröffentlicht. Allerdings blieben die Verkaufszahlen sowohl des Albums als auch die der Singleveröffentlichungen weit hinter den Erwartungen zurück. Die geplante Tour wurde mangels Interesse abgesagt, nur ein Konzert in Hamburg fand statt.
Mit seinem vierten Album Mit Rucksack und Harpune wandte sich Witt stilistisch wieder dem Rock zu. Auch arbeitete er mit Textern außerhalb des WEA-Labels zusammen und schrieb erstmals auch englische Songs. Doch auch dieses Album konnte den Erwartungen des Labels nicht nachkommen; mangels Promotion verkaufte sich das Album weniger als 10.000 Mal. Witt veröffentlichte sein fünftes Album Moonlight Nights unter dem Label Polydor und setzte hier ganz auf englische Texte. Doch auch hier stellte sich kein großer Erfolg ein.
Im April 1988 veröffentlichte er sein 6. Album 10 Millionen Partys, in welchem er sich wieder deutschsprachiger Musik widmete und das den damaligen Club-Hit Pet Shop Boy enthält. Allerdings war er zu der Zeit weniger mit der Produktion eigener Songs beschäftigt, da er auch als Produzent einiger Underground-Bands wie Metallic Traffic tätig war. Gegen Ende der 1980er Jahre zog Witt für zwei Jahre nach Portugal.
Zu Beginn der 1990er Jahre wurden die NDW-Hits von Joachim Witt durch Torsten Fenslau und Jens Zimmermann (Goldener Reiter) sowie Ian Ritchie (Herbergsvater) remixt und als Singles veröffentlicht. Ende 1991 veröffentlichte er mit der Coverversion von Dr. Albans Hello Africa auch wieder eine eigene Single. Hallo Deutschland ironisierte die damalige Vereinigung von BRD und DDR. 1992 veröffentlichte er sein siebtes Studioalbum Kapitän der Träume, worauf er wieder öfter im Radio gespielt wurde; Chartplatzierungen blieben dennoch aus. 1994 wurde er als Sprecher für das Hörbuch Felidae engagiert; ansonsten blieb es bis 1996 ruhig um ihn. Zwar nahm Joachim Witt im Zuge der Technowelle 1995 eine Technoversion seines Hits Goldener Reiter als Goldener Raver auf. Diese Single fand jedoch kaum Beachtung.
