The Tornados – Telstar

Telstar ist der Titel eines nach dem gleichnamigen Fernsehsatelliten benannten Instrumentalhits, der sich im Jahr 1962 in der Fassung der Tornados zum weltweit meistverkauften Instrumentaltitel aller Zeiten entwickelte.

Robert George „Joe“ Meek war als Techniker und Produzent seit 1953 in mehreren unabhängigen Londoner Tonstudios angestellt, bevor er 1960 mit den verdienten Tantiemen seiner im August 1958 erschienenen Komposition Put a Ring on My Finger in der Fassung von Les Paul & Mary Ford die Einrichtung eines eigenen Tonstudios finanzierte.  Eine Coverversion hiervon übernahm der britische Rock-&-Roll-Interpret Tommy Steele als B-Seite der im November 1958 veröffentlichten Single Come On Let’s Go.

Das in gemieteten Räumen errichtete Tonstudio wurde am 12. September 1960 unter dem Namen R.G.M. Sounds Ltd. eingetragen.  Obwohl es nicht dem neuesten Stand der Tontechnik entsprach, konnte Meek dies mit seinem technischen Sachverstand und seiner Kreativität wettmachen. Er entwickelte insbesondere ein Gerät zur stärkeren Kompression von Sounds, in das er seinen Namen eingravieren ließ, oder ein aus einem Heizlüfter entwickeltes Echogerät.

Am 10. Juli 1962 wurde der erste TV-Satellit der US-Firma AT&T unter dem Namen „Telstar“ gestartet. Auch Meek sah die Nachrichten hierüber, die ihn noch am selben Abend zur Komposition eines Instrumentalstücks inspirierten. Meek bat die inmitten einer Tournee befindlichen Tornados[4] für Sonntagmorgen, den 15. Juli 1962, in seine RGM-Tonstudios, um mit ihnen den Song zu proben und aufzunehmen. Zunächst entstanden die Arrangements, dann wurden im zwölfstündigen Marathon die Rhythmusspuren für A- und B-Seite eingepegelt. Am folgenden Montag wurden innerhalb von vier Stunden die Gitarrenbreaks aufgenommen, sodass die Gruppe nach 14 Uhr zu ihrem Nachmittagskonzert in Great Yarmouth reisen konnte. Von den Tornados wirkten bei der Aufnahme Alan Caddy (Leadgitarre), George Bellamy (Rhythmusgitarre), Heinz Burt (Bassgitarre), Roger LaVern (zweites Keyboard, eine Lowrey-Orgel) und Clem Cattini (Schlagzeug) mit. Meek war mit dem Ergebnis noch nicht zufrieden und ließ nachträglich Geoff Goddard die Hauptmelodie auf einer batteriegetriebenen, monophonen Clavioline spielen (gleichzeitig konnte nur eine Taste bedient werden, akkordisches Spiel war nicht möglich). Goddard war an der Universität als Pianist ausgebildet und fungierte für Meek als Komponist vieler Popsongs.

In der Nachbearbeitung entschied sich Meek für dreifaches Overdubbing des in drei Oktavlagen gespielten Songs. Als Nächstes imitierte Meek ein Raketen-Startgeräusch, das mit Hilfe einer selbst-oszillierenden Tonbandverzögerung entstand. Die vielen Overdubbings erniedrigen insbesondere die mittleren und niederen Frequenzen zu einer akustischen Unschärfe. Ein beschleunigter Pianopart führt zu harfenähnlichen Arpeggios. Selbst der Klang der Leadgitarre ist mit Echo unterlegt, wobei die Echoeffekte durch die Heizwendeln eines umgebauten Heizlüftgerätes erzeugt wurden. Der klassische Joe-Meek-Sound wird hier vollends zur Geltung gebracht: Die Soundeffekte Limiting (frühe Drosselung eines Tonsignals) und Kompression (reduziert den Dynamikbereich und führt deshalb dazu, dass sich bestimmte Klänge satter anhören) werden hier exzessiv eingesetzt, wie es in der Plattenbranche bislang noch nicht üblich gewesen war.

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