Falco – Jeanny Part 2

Jeanny ist der Titel einer Serie von Liedern des österreichischen Sängers Falco, deren erster Teil einen der größten Skandale in der Geschichte der deutschsprachigen Popmusik auslöste.Zu Lebzeiten des 1998 gestorbenen Sängers erschienen und freigegeben sind die drei Titel Jeanny (1985; ab 1986 als Jeanny (Part 1) bezeichnet), Coming Home (Jeanny Part 2, ein Jahr danach, 1986) und Bar Minor 7/11 (Jeanny Dry) (1990). Ohne Freigabe durch Falco erschienen postum die Versionen Where Are You Now? (Jeanny Part III) (2000) und The Spirit Never Dies (Jeanny Final) (2009).

Der Text stammte ursprünglich von Rob & Ferdi Bolland, wurde aber von Falco abgewandelt und ergänzt. Die Musik wurde ebenfalls von den Bolland-Brüdern komponiert. Nachdem Falco die Demoversion gehört hatte, sprach er sich für die Musik, aber gegen den Text aus. In der Ursprungsversion ging es um ein Mädchen, das nach einem Streit mit dem Freund durchbrennt. Jeanny wurde im Sommer 1985 in den Niederlanden aufgenommen und produziert. Der Titel erschien im September desselben Jahres auf dem Album Falco 3 und wurde im Dezember als Single ausgekoppelt.

Der vieldeutige Text besteht aus zwei deutschsprachigen Strophen und einem auf Englisch gesungenen Refrain. Eine fast ausschließlich auf Englisch gesungene Version wurde im deutschsprachigen Raum erstmals auf der Kompilation Greatest Hits II veröffentlicht.Bei der Veröffentlichung von Jeanny als Single kamen Vorwürfe auf, der Titel verharmlose oder verherrliche eine Vergewaltigung, obwohl im Text nicht ausdrücklich von Gewalt die Rede ist. Allerdings wird die Sichtweise gezeigt, die ein Vergewaltiger gegenüber seinem Opfer haben könnte. Die Weise, in der der Text vorgetragen wird, lässt auch den Schluss zu, dass es sich um einen Stalker handelt, der sein Opfer der verschmähten Liebe wegen entführt und es in seinem Wahn tötet.Der Teil Newsflash des Liedes, gesprochen vom damaligen Tagesschau-Nachrichtensprecher Wilhelm Wieben, berichtet von einem „dramatischen Anstieg der Zahl der vermissten Personen“ und „einem weiteren tragischen Fall“ eines seit 14 Tagen verschwundenen 19-jährigen Mädchens, bei dem die Polizei die Möglichkeit eines Verbrechens nicht ausschließen könne

Der dazugehörige Video-Clip verstärkt den Eindruck, dass es sich bei dem von Falco gespielten Protagonisten um einen psychotischen Mörder handele. Er wird am Ende in Zwangsjacke in einer „Gummizelle“ gezeigt, wo er von einer jungen Frau, dargestellt von der damals 15-jährigen Theresa Guggenberger , geneckt wird. Obwohl keinerlei Verfremdungseffekte benutzt werden, lässt sich die Figur des Mädchens als Halluzination eines geisteskranken Mörders interpretieren, denn als ein Wärter in die Zelle des Protagonisten schaut, ist jener alleine zu sehen.Das Video spielt auch auf den 1931 veröffentlichten Fritz-Lang-Film M an, in dem ein Serienmörder von einem blinden Ballonverkäufer identifiziert und durch ein mit Kreide auf den Mantelrücken gemaltes M markiert wird; der Protagonist trägt im Video ein aufgemaltes F auf dem Rücken, und auch ein blinder Ballonverkäufer ist zu sehen. Weiter ist in den Eingangssequenzen das Kanalsujet aus Carol Reeds Film Der dritte Mann (1948) mit Orson Welles als Harry Lime unverkennbar. Zudem spielt das Video mehrfach auf den Film Psycho an: Am Anfang sieht man kurz die Neonschrift „Bates Motel“, und das Ende des Videos weist Parallelen zum Ende des Films auf.Zu den Drehorten gehören die Wiener Opernpassage und ein Teil des Wiener Kanalsystems im Bereich Karlsplatz/Esperantopark.

Verschiedene Fraueninitiativen riefen zum Boykott des Liedes auf. Der Norddeutsche Rundfunk, der Sender Freies Berlin sowie der Bayerische Rundfunk nahmen das Lied „aus ethischen Gründen“ aus dem Programm; andere Sender spielten Jeanny nur noch in Hitparaden. Auch im DDR-Rundfunk wurde das Lied nicht mehr gesendet.Der damalige ZDF-Nachrichtensprecher Dieter Kronzucker, dessen beide Töchter einige Jahre zuvor Opfer einer Entführung geworden waren, äußerte sich in der Ausgabe des heute-journals vom 14. Januar 1986 empört über den großen Erfolg des Titels. Daraufhin schlossen sich weitere Radiostationen dem Boykott an. In Hessen wurde der Song mit einem Warnkommentar gespielt. Bei der Musiksendung Formel Eins wurde er, solange er Platz eins der Charts belegte, jede Woche zumindest ausschnittsweise gezeigt. Thomas Gottschalk nannte Falco in einem Zeitungskommentar ein „Wiener Würstchen“, das „Schwachsinn“ produziere:

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